26.02.2026
Yolanda: Erste Technikerin im Robotic Fabrication Lab der ETH Zürich
Yolanda Ziltener gestaltet seit Kurzem die technische Arbeit im Robotic Fabrication Lab der ETH Zürich mit – als erste Frau im Technikerteam seit der Eröffnung des Gebäudes im Jahr 2014. Im Rahmen der Initiative Women in Robotics wurde die Praktikumsstelle gezielt ausgeschrieben, um mehr Diversität in technischen Funktionen zu schaffen. Die gelernte Polymechanikerin bringt industrielle Erfahrung und Präzision mit – und den Anspruch, etwas herzustellen, das anderen nützt.
Yolanda ist diplomierte Polymechanikerin und arbeitet derzeit im RFL. Foto: NCCR DFAB
Yolanda ist nicht zufällig im Ingenieurwesen gelandet. Im Alter von sieben Jahren umging sie die Zeitschaltuhr des Fernsehers, indem sie die Kabel neu verkabelte. Ihr Vater – selbst Ingenieur – war weniger verärgert als vielmehr beeindruckt und führte sie schon früh in den technischen Bereich ein. „Ich liebe es, Rätsel zu lösen und zu sehen, wie alles zusammenpasst“, sagt sie. Während einer Schnupperlehre sprang der Funke dann defintiv über: „Ich durfte etwas polieren und ging mit einem breiten Lächeln und schwarzen Flecken im Gesicht nach Hause – da wusste ich: Das ist es.“ Sie absolvierte ihre Ausbildung beim gleichen Unternehmen und spezialisierte sich auf Polymechanik mit Schwerpunkt Montage. Es ist ein Beruf, der einer Erklärung bedarf – im internationalen Kontext würden Kolleg*innen „Maschinenbauingenieur*in“ auf ihre Visitenkarten schreiben. Yolanda beschreibt ihre Tätigkeit wie folgt: „Ich bin zertifizierte Feinmechanikerin. Ich kann alles aus Metall maschinell herstellen – auf den Tausendstel Millimeter genau.“
Neue Sprachen, neue Maschinen
Yolanda stiess zufällig auf das Praktikum im RFL: Ihr ehemaliger Arbeitgeber organisierte einen Betriebsausflug zum Arch Tech Lab der ETH Zürich, eine Kollegin kam mit dem Team ins Gespräch – und die Gelegenheit ergab sich. Mit Industrierobotern war sie aus der Fertigung bereits vertraut. Der Einsatz von Robotern in der Architektur oder Forschung war für Yolanda jedoch Neuland. Die Idee dahinter aber fasziniert sie schon lange: Maschinen, die Menschen im Alltag unterstützen und dort einspringen, wo Menschen nicht können oder wollen.
Im RFL arbeitet sie nun mit dem GoFa-Roboter von ABB, lernt neue Programmiersoftwares kennen und ist an der Schnittstelle zwischen Robotik, Architektur und Forschung tätig. Die neuen Tools sind eine Herausforderung. „Für mich fühlt es sich an, als würde ich plötzlich Spanisch sprechen", sagt sie über die ungewohnten Programmiersprachen. Was ihr hilft, ist das Selbstvertrauen, das sie durch praktische Erfahrung aufgebaut hat: Yolanda weiss, was Maschinen leisten können, und geht deshalb selbstbewusst mit Geräten um, die sie noch nicht kennt. Wenn Forscher*innen mit Fragen zu ihr kommen, freut sie sich über die Gelegenheit, diese gemeinsam zu lösen.
Yolanda arbeitet mit neuen Programmiersoftware-Umgebungen wie Robot Studio von ABB.
Etwas herstellen, das der Menschheit nützt
Parallel zum Praktikum absolviert Yolanda die internationale Matura. Sie interessiert sich für Medizintechnik – ein Feld, das ihrem Grundanliegen entspricht: «Ich möchte etwas erfinden oder herstellen, das der Menschheit nützt. Nicht durch direkte Pflege, sondern durch Technik», sagt sie. Ihr Horizont ist offen, die Richtung aber klar. Ihr Wunsch für die Branche auch: «Ich hoffe, dass künftig mehr Frauen in technischen Berufen arbeiten.» Sie ist überzeugt, dass mehr Frauen in diesem Bereich nicht nur für mehr Vielfalt sorgen würden, sondern auch eine offenere und kollaborativere Arbeitskultur fördern könnten. Im RFL hat das bisher männliche Team bereits beobachtet, was ihre Anwesenheit bewirkt: Forschende verhalten sich anders, wenn Yolanda im Raum ist. Sie bringt als Technikerin neue Perspektiven ein und ergänzt das Team auf wertvolle Weise. Damit dieses Gleichgewicht langfristig entsteht, braucht es jedoch ein früheres Ansetzen: schon in der Ausbildung muss vermittelt werden, dass Frauen in technischen Berufen keine Seltenheit sein sollten.